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Fremdes Blut

Ich habe mich hier entschieden, nicht das erste, sondern das 31. Kapitel hochzuladen, da es aus dem Zusammenhang gerissen viel mehr über die Geschichte aussagt als ein früheres Kapitel.

Vampire, ein uralter Konflikt, Familienprobleme und mittendrin eine nichtsahnende, liebesblinde Studentin, die Gefahr läuft einen lange schwelenden Krieg wieder anzufachen.
Darum geht es um Fremdes Blut, eine Geschichte die in den Weiten des Sagenumwobenen Rumänien und im hektischen London spielt. Eine verworrene Geschichte über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft die sich selbst nicht ganz so ernst nimmt.

Kapitel 31 – We are family

Liviu saß vor dem Kamin, aus dem Dank des Trockeneises sanfte Rauchwolken schwebten und starrte aus dem Fenster.
Plötzlich hörte er leise Schritte und sah einen Schatten am Fenster vorbei huschen. Er atmete tief ein. Es roch nach Vampirblut. Und er kannte den Geruch dieses Blutes besser als den eines jeden anderen Vampires.
Noch bevor die Tür aufflog und ein angenehm eisiger Wind hinein peitschte, wusste Liviu, wer sich da die Ehre gab.
Seine Laune sank so weit in den Keller, wie möglich.
„Livia, lange nicht gesehen!“
Er wandte sich bedächtig der Tür zu und erblickte seine jüngere Schwester.
„Hallo Bruderherz!“
Sie warf die Tür zu und kam zu ihm hinüber, um ihm einen eisigen Kuss auf die Wange zu drücken.
„Na, wie geht es dir, geliebter Bruder?“
Liviu rümpfte die Nase, als sie sich mit voller Wucht auf sein teures Sofa fallen lies.
„Danke der Nachfrage Livia. Es ist alles bestens.“
Livia warf den Kopf in den Nacken und gackerte.
„Du gibst mir seit 320 Jahren jedes Mal die selbe Antwort und es ist immer wieder erfrischend. Ich habe dir noch nie geglaubt!“
Wieder lachte sie. Kalt und hoch.
Liviu knirschte mit den Zähnen.
„Hast du was zu Trinken da, mein Lieber? Du weißt, die Reise ist immer sehr lang…“
„Natürlich.“
Binnen zwei Sekunden war Liviu einmal in die Küche und zurück gehuscht.
Er stellte ein Glas mit Blut vor Livia ab.
Diese starrte ihn angewidert an.
„Das sieht…abgestanden aus. Wann zur Hölle wurde das denn abgefüllt?“
Livius Nasenlöcher blähten sich.
Langsam wurde er ungehalten.
„Es wird wohl schon ein Weilchen her sein. Ich habe es nur für den Notfall da. Oder für…“ Er rümpfte erneut die Nase „ganz besondere Gäste.“
Livia grinste spöttisch.
„Wie du weißt, Livia…ich ernähre mich von…“
„Jaja bla ich weiß, der Vertrag…langweile mich doch nicht schon, kaum dass ich hier bin!“
Liviu ließ sich bedächtig in einen der Sessel gleiten und schlug die Beine übereinander.
„Weißt du, Livia. Ich frage mich, was du hier tust…“
Er musterte seine Schwester. Er konnte die Verwandtschaft zu ihr nicht verleugnen. Auch Livia hatte Pechschwarze Haare und dieselben feinen Gesichtszüge wie ihr Bruder. Ihre Nase war auf exakt dieselbe anmutige Weise ein wenig nach oben gekrümmt und ihre Hände waren ebenso feingliedrig wie die seinen. Auch ihre Augenfarbe glich der seinen. Und das auffälligste, für einen normalen Betrachter jedoch nicht sofort sichtbar, war die Ähnlichkeit ihrer Reißzähne zu den seinen.
Wenn seine Schwester diese ausfuhr, glichen sie den seinen bis auf den letzten Millimeter. Ein Hinweis auf die Tatsache, dass er es war, der sie zu einen Geschöpf der ewigen Nacht auserkoren hatte.
„Ach Liviu..“ Sie nahm einen Schluck aus dem Glas und hob die Augenbrauen. “Gar nicht mal so übel…”
Sie erhob sich aus dem Sofa und lies sich auf der Sessellehne ihres Bruders nieder. Ihre Hand glitt durch seine weichen Haare. „Ich habe dich einfach nur vermisst, weißt du….“ Sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange, der Liviu deutlich zu lange dauerte.
Angewidert schob er sie von sich, sie fiel zu Boden. Da saß sie nun, war nicht empört, sondern lachte bloß höhnisch.
„Weißt du…es ist nicht meine Schuld, dass unser Verhältnis so…unglücklich ist, Liviu. Du hast mich immer abgelehnt und wirst es immer tun.“
Liviu erhob sich, trat dabei achtlos auf den Saum von Livias wallenden schwarzen Rock.
„Es ist also meine Schuld, ja?“
Livia lachte wieder. „Schuld. Was ist das schon für ein Wort. Schuld.“
Liviu entfernte sich ein paar Schritte von ihr und trat ans Fenster.
„Meine einzige Schuld ist, dass ich der Welt den Schaden zufügte, dich für immer auf ihr wandeln zu lassen.“
Livia schnaubte. „So viel Geschwisterliebe. Danke.“
Er wandte sich ihr zu.
„Du weißt, was ich meine. Dein ungezügeltes Leben in den ersten Jahren.“
„Ich war nicht erzogen.“
„Weil du ausgerissen warst.“
„Ich hatte Angst.“

17. September 1665 , London

Überall in der Stadt brannten kleine Feuer, weil man verzweifelt versuchte, die Luft zu reinigen. Über der Stadt schwebten dichte Rauschschwaden und es war stockfinstere Nacht.
„Sie können hier nicht durch. Die Stadt steht unter Quarantäne.“
Der dicke Wachmann sah ihm autoritär in die Augen.
Liviu lächelte seicht.
„Natürlich Sir. Verzeihung.“
Er machte kehrt und entfernte sich vom Eingang des Stadttores.
Er ging ein paar Meter weiter, zunächst langsam, dann, als er im Schutze der Dunkelheit kaum noch zu sehen war, sauste er zu einer unbewachten Stelle der Stadtmauer. Er sah sich noch einmal um, als er sicher war, dass niemand zusah, sprang er behände auf die 10 Meter hohe Mauer und betrat auf der anderen Seite die Stadt.
Er fand sich in einer verdreckten, düsteren Gasse in welcher ein schwerer Geruch von Tod und verbranntem Fleisch hing.
Er ging weiter, und wusste bald die Ursache.
Einige Männer waren damit beschäftigt, Leichen zu verbrennen.
Schnellen Schrittes entfernte er sich von der Szenerie. Der Geruch von krankem Blut wehte ihm durch alle Straßen entgegen und brachte ihn zum Würgen.
Von allen Seiten wurde er angestarrt.
Er beachtete es nicht. Er hatte keine Zeit.
„Bitte. Rette mich. Mach mich zu einer von euch. Ich will noch nicht gehen.“
Die Worte aus ihrem Brief hatten sich in seine Netzhäute gebrannt, sodass er nur noch ein Ziel kannte und blind war, für all das Leid, das im Mondlicht sichtbar wurde.

Gerne wäre er so schnell gegangen, wie es ihm möglich war, aber dann hätten sie ihn am Ende auch noch verbrannt. Als hätten sie nichts anderes zu tun, als unschuldige zu Hexen und Zauberern zu erklären und sie zu vernichten.
Eigentlich konnte ihm auch niemand etwas anhaben, aber er wollte niemanden töten. Diese Menschen waren jetzt schon so nahe am Tod, dass es ihn schauerte.
Seit knapp einer halben Stunde war er unterwegs.
Sobald er den Brief in seinen Händen hielt, hatte er sich auf den Weg gemacht. Von Curtea de Arges aus hätte er Tage, Wochen brauchen müssen.
Wenn er ein Mensch gewesen wäre.
Endlich hatte er das Haus erreicht, nach dem er suchte.
Eine kränklich aussehende Magd stand davor, und schien es zu bewachen.
Er erkannte sie als seine Amme und seufzte. Er roch, sie würde bald ebenso sterben, wie die meisten hier.
Er kam vor seiner Amme zum stehen, die unfähig war, ihn zu erkennen.
Für sie war er vor sechs Jahren gestorben, ohne dass man jemals die Leiche gefunden hätte.
„Halt.“
Die Amme sah ihm streng entgegen.
„Ich bin ein Freund.“
„Sie wird nicht mehr lange leben. Sie werden sich nur anstecken. Außerdem kenne ich sie nicht.“
Liviu lächelte matt.
Was sollte es. Anders wollte er sie nicht außer Gefecht setzen und das Fieber würde sie ohnehin bald wirr im Kopf machen. Warum sollte er seine Identität nicht lüften?
„Olga. Ich bin es. Liviu.“
Seine Amme starrte ihn fassungslos an.
„Aber du….du bist doch…tot…“
Er nickte. „Ein bisschen.“
Die Amme stand bewegungslos vor ihm.
Er nickte ihr zu und betrat das Haus.
Sie kam ihm nicht nach.
Im Haus roch er sofort, das Olga Recht haben musste. Sie tat gerade ihre letzten Atemzüge.
Eilig trat er an ihr Bett und starrte sie fassungslos an.
„Livia…“ Er strich ihr sanft die schweißnassen Strähnen aus der Stirn.
Seine Schwester blinzelte und öffnete matt die Augen.
Ein angestrengtes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht.
„Mein Bruder.“ Tränen stiegen in ihre Augen. „Du bist gekommen.“
Er nickte. „Ja. Gekommen um dich zu retten. Also lass‘ uns keine Zeit verschwenden.“
Er hob sie vorsichtig aus dem Bett und trug sie aus dem Haus.
Olga war verschwunden. Vermutlich glaubte sie, wahnsinnig zu sein.
Liviu seufzte. Arme Olga.
Hastig trug er seine schwer atmende Schwester in eine einsame Gasse.
Ihm entgingen nicht die schwarzen Flecken an ihrem Hals. Die Überreste von ahnungslos behandelten Pestbeulen.
Vorsichtig legte er Livia auf den dreckigen, feuchten Boden.
Sie fröstelte und war kaum noch bei Bewusstsein.
Er musste sich beherrschen, sich nicht von dem Bild seiner sterbenden Schwester übermannen zu lassen und kniete sich neben sie.
Langsam beugte er sich über sie.
„Du bist dir sicher, dass du das willst.“
Livia nickte leicht. „Ja.“
„Du wirst kein Mensch mehr sein können. Nie mehr.“
„Ja.“
„Der Himmel würde jetzt auf dich warten.“
Sie schlug die Augen auf.
„Ich bin zu jung für den Himmel.“
„Gut.“
Er nickte.
Mit dem Zischen einer Schlange schoben sich zwei Eckzähne aus seinem Kiefer.
Er legte eine Hand unter den Nacken seiner Schwester und legte sanft seine Zähne an ihre Kehle.
„Bereit?“
Er bekam keine Antwort.
Livia hatte schon fast aufgehört zu atmen, also biss er zu.

2 Monate nachdem er Livia in einen Vampir verwandelt und vor dem Tod gerettet hatte, war sie ausgerissen.
Er hatte sie mit zu sich nach Rumänien genommen um sie zu einem guten Vampir zu erziehen. Aber Livia war so ängstlich gewesen und so wild, dass Liviu sie nur schwerlich hatte bändigen können, bis sie eines Nachts plötzlich verschwunden war.
Er machte sich auf den Weg sie zu suchen und blieb lange Zeit erfolglos.
In London kam es derweil nicht nur zu duzenden neuen Todesfällen durch die Pest, auch verschwanden plötzlich viele, und tauchten nie wieder auf.
Man fand nur blutleere Leichen, und manchmal gar nichts.
Liviu wusste, wessen Werk das war.

Zurück in der Gegenwart

Liviu schüttelte den Kopf um die Erinnerungen an die Vergangenheit zu vertreiben. Damals, als er sie gerettet hatte, da war sein Verhältnis zu seiner Schwester anders gewesen. Sie hatten sich nahe gestanden. Aber nach ihrer Verwandlung war sie nicht wieder zu erkennen. Ja, jeder junge Vampir war ein wenig wild, aber Livia war ein wildes Raubtier. Normalerweise entwickelten sich Vampire nur zu unbändigen Bestien, wenn man sie nicht erzog, aber Liviu gab sich alle Mühe.
Mittlerweile war er sich sicher, dass ihr desolater Zustand bei der Verwandlung daran Schuld gewesen war, dass sie sich nicht normal entwickeln konnte.
„Weißt du, Livia. Wir sollten den Staub der Geschichte ruhen lassen. Was willst du hier?“
Livia schürzte die Lippen. „Ach weißt du…Leander ist nicht der einzige, der Momentan ein wenig Ärger hat…“
Liviu stöhnte. „Warum zur Hölle habt ihr neuerdings alle diesen dreckigen Vampirjäger an den Hacken kleben?“
Livia kicherte. „Du vergisst, dass Leander mit mir verwandt ist. Mehr oder minder. Und darum findet seine kleine Stalkerin, diese Durchgeknallte namens Claire, mich nicht viel weniger interessant als ihn. Sie versucht immer noch verzweifelt ihn zu finden. Und wenn er sie dann nicht will, wird sie ihm Greystone auf den Hals hetzen.“
Liviu rieb sich mit der Hand durchs Gesicht. „Was hast du denn bitte damit zu tun?“
„Meine Güte, Brüderchen. Du bist doch sonst nicht so schwer von Begriff.“
Liviu fauchte.
„Mein Guter, Claire glaubt, wenn sie seine Familie bedroht, kehrt Leander zurück und willigt endlich ein, ihr Gefährte zu werden.“
Ihr Bruder schnaubte.
„Das würde er niemals tun.“
„Tja. Wir wissen das.“
„Und was willst du jetzt von mir?“
„Ich musste mich diskret aus dem Staub machen. Und da Claire nicht weiß, wer Leanders und mein Erzeuger ist, wird sie uns hier nicht suchen. Ich habe meine Spuren verwischt. Sie glaubt ich bin in Schweden.“
„Und jetzt glaubst du, du könntest dich hier einnisten?“
„Ich dachte eher, du würdest mir anbieten, ein wenig hier zu verweilen.“
„Das ich nicht lache. Eher trinke ich das Blut einer Küchenschabe.“
Livia wandte sich ab. Ihre Miene wurde düster.
„Ich bin nicht auf dich angewiesen. Ana wird sich freuen, mich zu sehen.“
„Bist du dir da sicher? Ich wüsste niemand, der sich freuen würde, dich zu sehen.“
Sie knirschte mit den Zähnen.
„Weißt du, vielleicht sollte ich Claire doch den Weg hierher weisen. Ich verschwinde und ihr könnt euch mit einem Vampirjäger erster Klasse herum schlagen…“
Liviu seufzte.
„Weißt du was, du alte Pestbeule?“
Sie zuckte zusammen und fasste sich an den hohen Kragen ihres Pullovers.
„Liviu!“
„Was? Find‘ dich doch endlich damit ab, dass diese schwarzen Flecken an deinem Hals niemals verschwinden werden.“
„Claire wird sich freuen Leander zu sehen…“
„Darf ich vielleicht mal zu Ende reden?“
„Tu dir keinen Zwang an, alte Zecke.“
Er lachte.
„Von mir aus, bitte. Bleib doch. Es hat mir schon immer Freude bereitet, dich zu ignorieren.“
„Und ich hatte immer schon Freude daran, deine Nerven zu zerreißen.“
Liviu brummte.
„Sag mal, Brüderchen. Wo treibt sich eigentlich unser Küken rum?“
„Was weiß ich.“


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