Zeittropfen.
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Heruntergekommen, Nichtssagend, Leer, Erfolglos, Aufgebraucht. Das ist Jackie Adams, ein einstig beliebtes Model, dass ihr Glamouröses Leben an Alkohol und Drogen verlor. Niemand außer ihr selbst weiß, warum sie ihr Leben ohne Kokain in der Blutbahn nicht mehr auszuhalten weiß und wie sie sich selbst verlor. Niemand weiß, ob sie ihre Zerstörungswut gegenüber ihrer eigenen Seele überleben wird. Nicht einmal Jackie selbst.
Ironisch, böse, klischeebeladen, schonungslos.


Jackie - Junkie

Er schüttelte den Kopf.
„Weil ich dich nicht mehr liebe!!!“
Seine Augen funkelten wütend, glühten vor Hass.
„Warum?“
Sie war heiser von der ganzen Streiterei und dem geschluckten Tränenwasser.
„Weil….sieh dich doch mal an!!!!“
Er nahm grob ihren Kopf in seine Hände und zwang sie, in den Spiegel zu sehen.
Sie versuchte wegzuschauen, aber er zwang sie, hinzusehen.
Ihre Augen wanderten über ihren eigenen Körper.
Sie trug ein blaues Cocktailkleid mit Spitze am Dekolleté, es war zerrissen und mit Blutflecken übersät. Ihre schwarze Strumpfhose war löchrig und zerrissen.
Ihre Knie waren aufgeschlagen und verkrustet, ihre Arme schmutzig, aufgeschürft.
Ihre Schuhe fielen fast auseinander, der Absatz war abgebrochen.
Ihre Haare wild durcheinander, ein bisschen Erbrochenes hing in ihren Haarspitzen.
Und ihr Gesicht…
Ihre Augen, blutunterlaufen und leer.
Dicke Augenringe überschatteten blau ihre Wangenknochen.
Ihre Lippen waren aufgesprungen, zerkaut, man sah den Abdruck ihrer Schneidezähne auf der Unterlippe.
Sie versuchte zu Boden zu schauen, wollte das nicht länger ertragen.
Aber er zwang sie, zwang sie mit einem groben Ruck an ihrem Kopf, das Elend weiter ins Auge zu fassen.
„Lass mich los!“
Sie bettelte.
Er ließ sie los, ging auf Abstand, musterte sie.
Wütend. Traurig. Resignierend. Enttäuscht.
„Ich verlasse dich!“
Die Tränen sickerten wieder in ihre Augen, brannten auf ihren Netzhäuten wie ätzende Säure.
„Warum?“
Die Frage bohrte in ihren Eingeweiden, auch wenn sie die Antwort kannte.
„Weil du ein gottverdammter Junkie bist, Jackie, darum!“
Damit wandte er den Blick ab, schnaubte, als sein Blick noch einmal auf Handspiegel und Rasierklinge fiel, die auf dem Rand des Waschbeckens lagen und verlies die öffentliche Toilette.
Verlies sie.
Endgültig.

Als Jackie am Morgen erwachte, stank ihr Bett nach Schweiß und Kotze.
Sie kroch aus den Kissen, schleppte sich zum Fenster um den ekelerregenden Geruch zu vertreiben, der sie fast wieder zum Würgen brachte.

Ihre Augen klebten und brannten von den Tränen, die sie in der Nacht vergossen hatte.
Am Fenster angekommen, riss sie es auf, streckte den Kopf aus dem Fenster und atmete tief.
Sie hustete und tastete auf der Kommode neben dem Fenster nach einer Zigarette.
Sie blinzelte, angestrengt auf der Suche nach einem funktionierenden Feuerzeug.
Einige versagten beim ersten Versuch und landeten auf der Straße, sie warf sie aus dem Fenster.
Nach einer Weile entdeckte Jackie ein funktionstüchtiges Feuerzeug und steckte ihre Zigarette an.
Gierig nahm sie den ersten Zug, saugte den Rauch tief in ihre Lunge und stieß ihn mit einem erleichterten Seufzen wieder aus.
Sie zog die Nase hoch und rieb sich über die Augen, streckte sich.
Dann begann ihre Hand zu zittern.
Erst kaum merklich, dann stärker.
Sie drückte die Zigarette an der Fensterbank aus und warf sie achtlos aus dem Fenster ihrer Wohnung im 12. Stock.
Immer heftiger zitternd führte ihr Weg sie ins Bad, wo ihr Werkzeug schon auf sie wartete.
Die Rasierklinge schien sie anzugrinsen, als sie sie auf den Spiegel legte und im Badezimmerschrank nach einem der kleinen Beutelchen tastete.
Schließlich fand Jackie eines, ergoss den Inhalt, Pulver, weiß wie Schnee, auf den großen Handspiegel, den sie auf dem Badewannenrand positioniert hatte.
Fachmännisch hackte sie mit der Rasierklinge auf das Pulver ein, fertigte sie gleich 6 Lines aus dem frischen Koks.
Ihre Hand glitt an ihre Hüfte.
Verdammt, sie trug ja keine Hose, also gab es keine Hosentasche.
Sie wackelte zitternd zurück ins Schlafzimmer, auf der Suche nach ihrem Portemonnaie.
Auf dem Nachtschränkchen lag es nicht.
Auch nicht auf de Fensterbank.
Nicht auf der Kommode.
Nicht im Schrank.
Auch nicht im Bett.
Hysterisch kreischend und immer heftiger zitternd konnte sie sich kaum noch kontrollieren, fuhr sich hysterisch kichernd in die zerzausten Haare.
Da kam ihr ein Gedanke.
Unterm Bett!
Strauchelnd angelte sie nach dem braunen Mäppchen und zog es unbeholfen schwankend hervor.
Zitternd lies sie sich aufs Bett fallen, suchte mit flatternden Fingern nach dem, was sie jetzt brauchte.
Sie zog einen 100 Pfund Schein heraus und wankte zurück ins Bad.
Den Schein längst gerollt, hielt sie ihn sich erleichtert an die Nase und setzte ihn auf den Spiegel.
Sie zog die Luft ein, spürte das herrliche brennen des Pulvers in ihrer Nase und entspannte sich langsam.
Mit jeder Line wurde das Zittern schwächer, bis es nach der 6. völlig erstarb.
Natürlich hätte sie das Zeug auch ohne den Gelschein schnupfen können, aber ein bisschen Exzentrik hatte ja noch niemandem geschadet.

 

„Guten Morgen Jackie!“
„Hey Rachel! Wie war dein Wochenende?“
Das hellblonde Heroin – Chic, das neben Jackie im Aufzug stand, seufzte theatralisch.
„Frag nicht. Furchtbar. Ich musste mit ein paar Designern durch ganz furchtbar langweilige Clubs ziehen…wirklich ätzend, glaub mir!“
Jackie lächelte mitleidsvoll.
„Und, wie war dein Wochenende?“
Mein Freund hat mich verlassen, das Koks bringt mich langsam um, ich kann ohne blutstillende Watte in der Nase kaum noch leben, ich habe darüber nachgedacht mich vor einen Zug zu werfen, meine ganze Wohnung stinkt nach ausgekotztem Wodka und Janice hat mir einen Termin mit dem nervigsten Designer aller Zeiten aufgebrummt – lass mich nachdenken….
„Oh, wirklich gut, danke der Nachfrage.“
„Was hast du denn getrieben?“
„Och…“
Mich um den Verstand gekokst.
„Ich war aus…habe mich mal ein wenig entspannt…nichts Weltbewegendes.“
Rachel nickte, sie hatte dieses typische Zahncremelächeln auf dem Gesicht.
Das Upper – Class Lächeln, das bedeutete, dass es einen wirklich nicht interessierte, was das Gegenüber mit seinem erbärmlichen Leben anfing.
Auch Jackie hatte so gelächelt. Früher.
Der Aufzug kam zum stehen und Jackie verabschiedete sich mit einem unverbindlichen Nicken von der Maitresse ihres Lieblingsfeindes.
„JACKIE!“
Sie seufzte.
Was wäre ein Montagmorgen nur ohne eine hysterische Chefin?
„Janice!“
Sie stolzierte ihrer Chefin entgegen, die ihr sofort eine Mappe in die Hand drückte und sie eindringlich ansah.
„Seien sie nett zu ihm, Jackie, sie wissen, wie wichtig der Auftrag ist!“
Sie seufzte.
„Ja, Janice, ich werde mein Bestes tun um den Kunden zufrieden zu stellen, denn ich weiß, dass nur ein zufriedener Kunde ein guter Kunde für unser Unternehmen!“
Sie leierte den Satz herunter, auswendiggelernt und gefühllos.
„Ganz recht.“
Ihre Chefin wandte sich zum Gehen.
„Ach…Jackie…!“
„Ja?“
„Gewöhnen sie sich diese furchtbare Winterkleidung ab! Es ist Juni!“
Jackie schaute an sich herab.
Bluejeans, schwarze Stiefel, weiße Langarmbluse, schwarze Weste, schwarzer Shopper, blaue Kette.
„Ähm…“ Sie stockte.
„Morgen will ich sie in Sommerkleidung sehen, Adams, was sollen sonst die Kunden denken? Dass sie tiefgefroren sind?“
Jackie schluckte und schaute Janice hinterher, die sich mit schwingenden Hüften in ihr Büro entfernte.
Sie biss sich auf die Unterlippe.
Janice‘ Wünsche waren Gesetz.
Aber in Sommerkleidung würde man die Schrammen sehen…und was würden sie dann alle denken, gerade jetzt, wo die Gerüchteküche brodelte?
Sie seufzte, nahm sich zusammen und stolzierte zurück zum Aufzug.
„Auf in den Kampf“ dachte sie, als sie im Taxi saß, auf dem Weg zu ihrem Lieblingsfeind.

David Ripley war das, was man einen Kotzbrocken nennen konnte.
Er war schlecht gelaunt.
Immer.
Als Castingchef und Runway Koordinator für einen der erfolgreichsten Designer der Branche stand er immer unter Medienbeobachtung und immer unter Stress.
Das bekamen seine Mitmenschen zu spüren.
Kaum je kam ein freundliches Wort über seine Lippen und schon lange galt er als unvermittelbarer Junggeselle, vor dem sogar die Betthäschen freiwillig Reißaus nahmen.
Zwar war er bekannt für zahlreiche Affären mit dürren Models, aber jeder wusste, dass diese Mädchen auf Karriere aus waren, nicht auf David.
Er sah gut aus, ja. Aber er war so kalt und so verschlossen, dass niemand glaubte, er wäre auch nur ansatzweise an menschlicher Wärme interessiert.

In seiner üblichen Schlechten Laune fand Jackie ihn vor, als sie den Raum betrat, in dem schon der Laufsteg für den Abend aufgebaut war.
Mit einem arroganten Grinsen kam er auf sie zu stolziert und begrüßte sie mit dem üblichen kalten Küsschen links Küsschen rechts Spielchen.
„Ach nein…unsere Betty Ford Veteranin…“
„David, mein Lieber. Du glaubst alles, was die Yellow Press dir vorsetzt, oder?“
Ein höhnisches Lachen seitens David.
„Die Yellow Press hat es doch als allerletztes erfahren, Jackie.“
Jackie schürzte die Lippen.
„Ich bin zum arbeiten hier, David. Nicht zum Quatschen. Wo ist das Mädchen?“
David schnalzte mit der Zunge.
„Dieses unsägliche Ding ist in der Garderobe. Sie kann keinen Deut Laufen. Vollbring‘ ein Wunder mein kleines Drogenhäschen. Und wenn du sie auch unter Drogen setzen musst, mir soll es egal sein.“
Mit einem kalten Lächeln wandte er sich ab und ging davon, Richtung Toiletten.
Jackie knirschte mit den Zähnen.
„David?“
Er blieb stehen, wandte sich um, blickte demonstrativ auf seine dicke Armbanduhr.
„Was?“
„Seit wann bist du nicht mehr in der Lage, ordentlich zu casten? Ich dachte immer, es wäre dein Job, Mädchen zu finden, die ordentlich laufen, ohne dass man sie unter Drogen setzen muss.“
Mit großen, wütenden Schritten kehrte er zu ihr zurück.
Sie grinste.
Was gab es schöneres als David Ripley auf die Palme zu bringen?
„Hör mal zu, Häschen…“
„David, contenance!“
Sie musste sich das Lachen verkneifen.
„Ich habe dieses unfähige Mädchen mit Sicherheit nicht ausgesucht! Sie wurde vom Designer direkt gebucht. Frag ihn, ob er noch ganz dicht ist, nicht mich!“
„Vielleicht sollte ich Jean wirklich sagen für wie Kompetent du ihn als deinen Chef hältst…“
Damit wandte sie sich ab und wollte davon gehen.
David packte sie grob am Arm und drehte sie zu sich.
Jackie erstarrte.
„Vergiss‘ nicht woher du kommst Jackie Adams!“
Sie entriss ihm ihren Arm und funkelte ihn wütend an.
„Oh nein David. Das tue ich gewiss nicht.“
Damit stieß sie ihn von sich und ging wütend in die Garderobe.
Fantastisch. In der Verfassung würde sie es bestimmt schaffen, ein Entlein laufen zu lassen wie einen Schwan.

Amanda Greaves war ein wunderschönes junges Mädchen von knappen 18 Jahren.
Ihre leuchtend blauen Augen waren tief wie der Ozean und ihre langen schwarzen Haare glänzten seidig und weich.
Ihr Gesicht wirkte schön und zerbrechlich, wie das einer perfekten Porzellanpuppe.
Ihre Haut war Rein und Elfenbeinfarben.
Wäre sie nicht so dürr gewesen, sie wäre perfekt.
Aber für den Beruf dem sie nachging war dürr gerade untergewichtig genug.
Als Jackie sie in der Garderobe sitzen und traurig in den beleuchteten Spiegel starren sah, wusste sie, warum Jean sie für die Show hatte haben wollen.
Sie war ein Rohdiamant. Ein unbeschriebenes Blatt Papier natürlicher Schönheit.
Ihr Zorn verrauchte, als sie das schöne Mädchen ihre verschmierte Schminke abwischen sah.
David musste sie zum weinen gebracht haben.
Mistkerl.
Ein Lächeln aufsetzend stellte sie sich neben das Mädchen, dass sie noch gar nicht bemerkt zu haben schien und streckte ihr ihre Hand entgegen.
„Jackie Adams. Ich bin hier um dich aus deinem Schlamassel zu befreien.“
Schüchtern hob das Mädchen seinen Kopf und schüttelte ihre Hand.
„Amanda Greaves.“
Sie biss sich auf die Unterlippe und senkte den Blick.
Jackie setzte sich auf ihren Schminktisch und beugte sich vor, damit sie in Amandas Gesicht sehen konnte.
„David ist ein Arschloch, Kindchen.  Mach dir nichts draus, was immer er gesagt hat!“
Ein kurzes Lächeln huschte über das Porzellangesicht.
„Er hat mich eine Mumie auf Ecstasy genannt…“
Jackie lachte trocken.
Wenn sie auf Ecstasy wäre, würde sie sich sicher anders benehmen David, ich weiß wovon ich rede.
„Oh, wirklich, typisch David.“ Sie schüttelte den Kopf. „In zwei Stunden wird er gar nichts mehr sagen, weil du dann laufen wirst wie eine junge Göttin.“
Amanda schnaubte traurig.
„Er hat außerdem gesagt ich wäre talentfrei und würde niemals wieder einen Catwalk betreten, nach der Show heute Abend.“
Jackie schnalzte mit der Zunge.
„Und das glaubst du ihm? Wie alt bist du?“
„18.“
Jackie schnaubte wütend.
„So geht er immer mit den jungen Dingern um. Soll ich dir mal was sagen?“
Amanda hob den Blick, neugierig geworden.
„Zu mir hat er das auch mal gesagt. Er hat gesagt ich sei durchschnittlich und sollte mir nichts auf meine makellose Haut einbilden, die würde vergehen und er wäre da, um mich dann jeden Tag daran zu erinnern, dass ich alt und hässlich geworden bin.“
Amanda riss die Augen auf.
„Das ist…“
„Fies, ich weiß. Und weißt du was? Er hatte Recht. Schönheit vergeht. Aber das hat mich niemals interessiert. Ich habe meinen Job gemacht und ich habe ihn verdammt gut gemacht. Er hat mich immer gehasst, von der ersten Sekunde an war ich das Model, das er am meisten verabscheut hat. Obwohl ich immer tat, was von mir verlangt wurde, konnte er mich niemals leiden und war sicher, dass ich niemals eine von den großen werden würde. Und? Er hat sich geirrt! Ich wurde eine von den ganz großen, während er ein durchschnittlicher Casting – Idiot geblieben ist!“
Jackie lächelte triumphierend, bewusst den letzen Teil ihrer Lebensgeschichte auslassend.
„Ähm…“
Amanda musterte Jackie.
„Wie haben sie gesagt, heißen sie, Mrs….“
„Jackie Adams. Du kannst mich ruhig Jackie nennen.“
„Jackie Adams??? Die Jackie Adams die 14 Mal das Vogue Covergirl war?“
Jackie lächelte süffisant
„Ja, die Jackie Adams.“
„Wow. Und ich erkenne das nicht obwohl…du vor mir stehst…“
Jackies Lächelt verschwand, sie wandte sich ab.
Ihre Hände zitterten.
Meine Schönheit ist längst vergangen. Und das noch bevor das Alter sie mir nehmen konnte, Amanda.
„Alles in Ordnung, Jackie?“
Sie nickte, drehte sich wieder zu Amanda, die Hände in den Hosentaschen, ein künstliches Lächeln auf das Gesicht geheftet.
„Natürlich. Also, wir sollten vielleicht mal mit dem Arbeiten anfangen. Ich gehe noch kurz auf die Toilette und du…du richtest deine Schminke, okay?“
Amanda nickte, sie schien zuversichtlicher als vor dem Gespräch.
„Alles klar!“
Jackie hastete zu den Toiletten, als sie merkte, wie ihre Knie zu zittern begannen.

Copyright: TimeDrop




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